
Die frühen Siedlungsgemeinschaften betrachteten den umliegenden Boden, der damals noch in Überfluss vorhanden war, als Gemeinland, das allen zur Nutzung offenstand. Währen die intensiv bebauten Felder in der Nähe einer Siedlung schon früh auf die Dorfgenossen verteilt wurden, blieben Wald und Weide über Jahrhunderte im gemeinsamer Nutzung. Dies Art der mittelalterlichen Landnutzung lässt sich an vielen Orten des Linthgebietes nachweisen. Sie wird bereits in der Schäner Urkunde von 1178 durch bestimmte Formulierungen angedeutet. Dort sind nämlich verschiedene Weiler nicht nur mit ihrem Namen, sondern samt dem dazugehörigen Land aufgelistet. Bei einzelnen Orten wird dieses Umland ausdrücklich als Neurodung bezeichnet. Als Weiler mit dazugehörigem Land figurieren in dieser Urkunde u.a.: Winkel, Dorf, Rufi und Maseltrangen (Mazzeltrangen dum omnibus suis appendiciis = Maseltrangen mit allem, was dazugehört).
Rund um das Dörfchen Maseltrangen blieben bis heute Flurnamen erhalten, aus denen herausgelesen werden kann, wie die Dorfbewohner dieses umliegende Land nutzten. Die schönsten Böden in der Nähe des Siedlungsbezirks machten sie zu fruchtbarem Kulturland. Es sind die typischen Feldbezeichnungen, wie sie in mittelalterlichen Genossengemeinden anzutreffen sind: Acker, Baumgarten, Matt, Zelg. Diese Nutzungsnamen gehören zur dritten Phase der Namengebung.
Acker
Am nordöstlichen Dorfrand von Maseltrangen besteht heute noch der Flurname Acher, eine anstossende Parzelle heisst Mülacher. Noch vor 200 Jahren umfasste der Flurname Acher ein ganzes Heimwesen. Zusätzlich gab es das Acherweidli mit Wiesland und einem Stall. Dies deutet darauf hin, dass im Mittelalter die sonnige halde ob dem Dorf als Ackerland gebraucht wurde.
Zälg
Westlich von Maseltrangen, zwischen der Kantonsstrasse und dem südlichen Fuss des Gasterwaldes breitet sich ein Feld aus, das den Namen Zälg trägt. Im Mittelalter war dies eine Bezeichnung für ein Ackerfeld, in dem jeder Dorfgenosse seine Parzelle bebaute. Auch dieser Flurname ist somit ein Zeugnis der genossenschaftlichen Bodennutzung.
Baumgarten
Bis ins 16. Jahrhundert war es Brauch, in der Nähe der Häuser geschlossene Obstgärten anzulegen und zu pflegen. Sozusagen jede Hofstätte besass einen solchen Baumgarten. Das Vieh hatte hier keinen Zutritt. Die verschiedenartigen Obstbäume standen dicht beeeinander. Solche Anlagen schützten nicht nur gegen Unwetter und Frost, sondern auch gegen Diebstahl und sie förderten zudem die Bestäubung und somit die Fruchtbarkeit. Von den mittelalterlichen Obstgärten in Maseltrangen ist nur noch der Flurname bzw. eine Wegbezeichnung erhalten geblieben. Noch um 1800 umfasste der Baumgarten ein grösseres Gebiet, nämlich ein Heimwesen am südöstlichen Dorfrand.
Matt
Das mittelhochdeutsche Wort Matt bezeichnete fruchtbare Wiesen in der Näche der Siedlung, die ganz für die Heugewinnung bestimmt waren und deshalb immer gemäht wurden. Matt und Mahd (mähen) sind zwei verwandte Wörter. Eine Matt war meist haldiges, trockenes Land, wo im Mai die "Mattängeli" (Wohlriechende Schlüsselblume) blühten. die Matt von Maseltrangen liegt zwischen dem Nässibach und dem Dorf. Eine zweite Heuwiese wurde Wichelmatt genannt. sie befindet sich auf halbem Weg zwischen Maseltrangen und Steinenbrugg. Die Zusatzbezeichnung Wichel hiess anfäglich Winkel und dürfte auf die besondere Form des Geländes hinweisen.
Sommerig
Die sonnige Bergflanke zwischen dem Vorderen und Hinteren Maseltrangerbach war das nächstliegende und beste Rodungsland der Dorfleute von Maseltrangen. Das Gebiet der heutigen Höfe Amerüti, Haslen, Brüschberg und Sommerig dürfte im Mittelalter als Sommerweide genutzt worden sein. Es ist jedoch nicht sicher, dass der Name Sommerig (um 1800: Sumerig, Sumerholz) von Sömmern bzw. Sommerweide herstammt. Er könnte auch aus einem Personennamen gebildet sein, in ähnlicher Form wie die späten -ingen-Orte. Der Personenname Sumer existierte in der Region. In einem Schäner Rechtsstreit im Jahre 1302 tritt ein Sumer als Zeuge auf und für 1385 sind in Jona Hans und Erni Sumer nachgewiesen. Sommerig könnte also das Land des Sumer bezeichnet haben.
Acher, Zälg, Baumgarten, Matt und event. auch Sommerig sind Flurnamen des Mittelalters, die ihre Wurzeln in der gewohnheitsmässigen Nutzung eines bestimmten Feldes haben. Sie geben ein Bild der genossenschaftlich geprägten Landwirtschaft in Maseltrangen.
Die Möglichkeiten zur Bildung von Flurnamen waren wie das tägliche Leben ausserordentlich vielfältig. Besonders in späterschlossenen Gebieten stehen die Flurnamen häufig in Zusammenhang mit auffallenden Geländeformen, Pflanzenbestand, Wildtieren und Besitzern.
Gelände- und Bodenbeschaffenheit
Der steinige Apboden auf der Höhe des Maseltranger Bergrückens führte zum Alpnamen Steinegg. Ursprünglich bezeichnete dieser Name einfach den steinigen Hügelrücken. Im Gegensatz dazu entstand der Flurname Schlüechti hinter dem Maseltrangerbach auf Grund der auffallenden Geländeeinbrücke, den kleinen Schluchten, die in grauer Vorzeit durch die Erosion entstanden waren. Das Wort Schlüechti kann sowohl die Verkleinerungsform wie die Mehrzahl von Schlucht bedeutet haben. Auch Gufelwies am südlichen Fusses des Gasterholzes bezeichnet eine Geländeform; der Name dürfte vom Lehnwort Gufel/Gubel (lat. cubulum) herstammen (Gufel = geschützter Platz, Felsvorsprung). Unsicher ist auch die Deutung von Solenberg. Das althochdeutsche Wort Sol bezeichnete einen Tümpel oder Pfütze. In solchen Naturtümpeln hielten sich gerne Wildtiere auf, vor allem Wildschweine, was natürlich unsern Vorfahren, die zur Jagd zogen, im Gedächtnis haften blieb. Das Vorhandensein solcher Tümpel (Solen) könnte als den Flurnamen Solenberg verursacht haben. Berg in der Bedeutung von Abhang, steilem Gelände und Höhenzug kommt in unserer Gegend häufig vor. Ebenso zahlreich wie die Bergnamen sind in der Gegend von Maseltrangen die Rietbezeichnungen. Während anfänglich das weite Riet nach der Zugehörigkeit zu einer Siedlungsgemeinschaft als Benkner- oder Maseltrangerriet umschrieben wurde, erhielten nach der Aufteilung in Privatbesitz viele Rietstücke ihre besonderen Namen.
Zusatznamen von Pflanzen, Tieren, Menschen
Oft sind die Geländebezeichnungen mit einem weiteren Bestimmungswort zusammengesetzt:
Stollenberg: Hügelflanke, die wie markanter Stock in der Gegend steht (mhd. stolle = Stütze, Pfosten), könnte auch von den Stöcken ehemaliger Waldbäume hergeleitet werden. (Deuteung allerdings unsicher: siehe Buch Geschichtsschreibung, S. 153)
Brüschberg: Alpboden mit rüsch (= Erika, Heidekraut); möglich wäre auch ein Besitzername (Brüsch = Abkürzung für Ambros, Ambrüsch), event. sogar die Ableitung von Bruuscht/Brunst (=Brandrodung).
Fähberg, Chlegerberg: Weide, die einem Mann namens Fäh bzw. Kleger gehörte.
Fischerwiese, im Fischer: Besitzername für ein ehemaliges Rietland.
Bärentöbeli: Tobel des Hinteren Maseltrangerbachs, vielleicht ehemals von Bären bewohnt, event. nur Übername für abgelegenes Tobel. In ähnlicher Weise erklärt sich das Bärenloch, das eine Waldstelle im Bergli bezeichnet.
Fuchswinkel: kleine Wiese beim Dorf Maseltrangen, wohl im Sinne von Hinterhof, wo auch Füchse leben könnten.
Namen der Wälder
An vielen Stellen des Berglandes blieg der Wald erhalten. Einzelne Parzellen wurden nach Zugehörigkeit oder Lage benannt. Die Waldnamen sind deshalb ähnlich wie die Bergnamen oft mti einem weiteren Bestimmungswort zusammengesetzt.
Brunnenholz: Wald und Weide mit frischen Quellen, an der Grenze zu Kaltbrunn.
Gasterholz: Wald auf dem kleinen Hügel am Rande der Linthebene bei Maseltrangen, der nach dem nahem Weiler Gaster benannt wurde.
Leglerwald: Auf dem Bergrücken oberhalb Sommerig, ein typischer Besitzername (Legler).
Dorren: Weide und Gebüsch im Talgrund an der Grenze zur Gemeinde Kaltbrunn, wo ehemals Dornengewächs den Grenzzaun säumte (Mundart: "Dorä"). Oder war im Hag ein Gatter (Tor) angebracht, durch das der Weg nach Kaltbrunn führte?
Haslen: Höfe, früher Weide und Wald am sonnigen Hang oberhalb von Maseltrangen. Der Name erinnert an den früheren Bestand von Haselstauden.
Chrottelochwald: Wohl im übertragenen Sinn Bezeichnung eines dunklen, waldigen Tobels am Oberlauf des Maseltrangerbachs.
Sitenwald: Wald auf der linken Tobelseite des vorderen Maseltrangerbachs.
Die Bevölkerungszunahme drängte die Menschen schliesslich auch zur Erschliessung abgelegener Gebiete. Weite Wälder mussten mit Axt, Feuer und Hacke gerodet werden. Diesen Vorgang dokumentieren die Maseltranger Rodungsnamen Rüti, schlatt, Stock, Bränden und Chol.
Rüti
Der allgemeine Rodungsname Rüti (roden) besagt nur, dass Wald gerodet und zu kultiviertem Land umgewandelt wurde, aber er gibt nicht an, in welcher Form oder zu welcher Zeit diese Rodung stattgefunden hat. Entsprechend dem jahrhundertelangen Landausbau blieb das Wort Rüti vom frühen Mittelalter bis in die Neuzeit in Gebrauch. Die erste schriftliche Nennung einer Rüti in der Gegend von Maseltrangen (wahrscheinlich Rütiberg) gibt eine Urkunde aus dem Jahre 1302. Diese Rüti musste aber schon viel älter sein, denn zur Zeit der Urkunde war sie bereits bewohnt. Zur Genossame Maseltrangen gehört das Rüteli am südlichen Fusse des Gasterholzes. Zwei weitere Rütinen im Gebiet von Maseltrangen wurden mit dem Besitzernamen zusätzlich gekennzeichnet: Die Amerüti dürfte einmal einam Ammann gehört haben und deshalb Ammann-Rüti genannt worden sein. Noch um 1800 gab es einen Ammann-Rütiwald. Ob die Hessrüti ihren Namen von einem Besitzer Namens Hess geerbt hat, kann vorläufig nicht bewiesen werden.
Schlatt
Das Schlatt (Holz schlagen) liegt hinter dem Blochberg auf dem Grenzgebiet zur Gemeinde Kaltbrunn. Der Name besagt, dass dieses Wiesland durch einen Kahlschlag dem Wald abgerungen wurde.
Stockmatt
Die Stockmatt erstreckt sich westlich von Maseltrangen bis an den Rand des Riets. Der Wald könnte hier durch Ausstocken der Bäume gerodet worden sein. Vielleicht führten aber auch alte Baumstrünke, die als Überreste des früheren Waldes lange erhalten blieben, zur Namensgebung.
Bränden, Brändentobel
Dieser Rodungsname deutet darauf hin, dass hier der Wald durch Feuer vertilt wurde. Bränden liegt am Nässibach, auf der Seite von Maseltrangen. Die kleine Weide ist heute wieder mit Wald überwachsen.
Cholplatz
Auf eine neuere und rentablere Art der Rodung weist der Flurname Cholplatz. Hier wurde Holz zu Kohle gebrannt, die dann als Energieträger an Gewerbebetriebe verkauft wurde. Der Cholplatz liegt auf etwa 900 Meter über Meer, hinter dem Stollenberg.
Etwa im 16. Jahrhundert stiess diese letzte Ausbauphase an ihre natürlichen Grenzen: Die Rodung steiler und unwirtlicher Gebiete brachte kaum mehr landwirtschaftlichen Nutzen und kam deshalb ins Stocken. Die letzten Köhler trieben ihr Werk im 17. und 18. Jahrhundert in unzugänglichen Bergwäldern, die jeweils nach dem Holzschlag wieder der Natur überlassen wurden.
Im Laufe der Jahrhunderte haben die Bauern das ganz umliegende Land in Anspruch genommen. Sie unterhielten darin einfache Wege, die ebenfalls zu Ortsbezeichnungen anregten. Dass die Rietgasse von Maseltrangen auf die Linthebene hinausführte, besagt der Name. Der Flurname im Chrummen bezeichnete ein Wegstück und das anstossende Land zwischen Maseltrangen und Amerüti, wo der alte Feldweg in einer Kurve den Bach verliess und den Berghang hinaufsteigen musste. Weiter oben teilte sich der Weg; eine Abzweigung führte zur Amerüti, die andere zur Haslen. Diese Abzweigung und das anliegende Heimwesen erhielten den Namen Wegscheide.
Im Gebiet von Maseltrangen gibt es zwei Mettlen. Die eine liegt südlich des Dorfes am alten Weg, der in früheren Zeiten näher an der Bergflanke von Maseltrangen nach Dorf führte. Die zweite Mettlen befindet sich an der Strasse zwischen Maseltrangen und Kaltbrunn, unmittelbar bei der Gemeindegrenze. Der Name Mettlen bezeichnete ursprünglich etwa die Mitte eines oft begangenen Wegstückes zwischen zwei benachbarten Orten.
I dä Letz heisst heute eine kleine Flur zwischen Maseltrangen und Hag, am Weg nach Kaltbrunn. Der Name Letz/Letzi kommt vielerorts vor und bezeichnet die Grenze, wo die engste Heimat aufhörte. Zur sichtbaren Abgrenzung liess man einen Lebhag wachsen, der unmittelbar nach der Letz die Fluren von Maseltrangen und Kaltbrunn voneinander trennte, an der engsten Stelle der Talmulde zwischen Gasterholz und Brunnenholz, wo heute noch ein Hof den Namen im Hag trägt. Ebenfalls auf Grund eines wichtigen Grenzzaunes dürfte der Alpname Oberhag/Oberhaghöchi entstanden sein.